Lange Zeit galt Alkoholsucht als ein männliches Phänomen. Aus diesem Grund sind die meisten Therapieangebote auf Männer zugeschnitten. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Rund ein Drittel aller Süchtigen ist weiblich – und die Dunkelziffer hoch.
Trinken abhängige Männer beispielsweise gerne in Gesellschaft – mit Kollegen oder im Verein –, tun Frauen dies eher heimlich. Alkoholmissbrauch ist bei Frauen viel stärker stigmatisiert und schambehaftet als bei Männern. Weil Frauen heimlich trinken – etwa nach Feierabend, wenn die Kinder im Bett sind –, fällt ihre Suchterkrankung auch häufig erst später auf.
Besonders gravierende Folgen entstehen, wenn eine Frau regelmäßig viel trinkt und noch nicht weiß, dass sie schwanger ist, oder wenn sie während der Schwangerschaft weiter trinkt. Denn schon der Konsum von kleinen Mengen Alkohol kann dem Kind schaden – von der Befruchtung bis in die Stillzeit. Im schlimmsten Fall können schwere körperliche oder geistige Beeinträchtigungen beim Kind die Folge sein.
In Bezug auf Alkohol in der Schwangerschaft kursieren leider immer noch viele Mythen, etwa: „Ein Gläschen am Tag schadet doch nicht.“ Das ist falsch. Schon kleine Mengen Alkohol können einem Kind schwer schaden.
Es gibt Frauen, die Alkohol trinken, um Depressionen, Ängste oder Überforderungsgefühle zu bekämpfen. Diese Frauen können auch während der Schwangerschaft oft nicht auf Alkohol verzichten, weil die Symptome der psychischen Erkrankung zu stark werden.
Frauen sollten sich nicht schämen, professionelle Hilfe zu suchen! In der Schwangerschaft gilt dies umso mehr: Egal, ob es um schädlichen Alkoholgebrauch oder um Suchtverhalten geht – wer es alleine nicht schafft, auf Alkohol zu verzichten, sollte die fachliche Unterstützung durch eine Psychiaterin oder einen Psychiater annehmen. Im Zentrum für seelische Frauengesundheit des Vivantes Humboldt Klinikum Berlin wie auch in vielen anderen Einrichtungen in Deutschland gibt es ein spezielles Angebot für Frauen mit Suchtproblemen.